← Regional Lübeck

Kriegswaffen im Wohngebiet

Nach dem Kriegsgerät auf der Altstadtinsel wirbt die Bundeswehr jetzt vor der Musikhochschule um Nachwuchs. Über eine Werbekampagne und ihre Vorgeschichte.

Von Links vom Holstentor2 Min. Lesezeit

Eine Patriot-Startrampe der Bundeswehr auf einem Platz in der Lübecker Altstadt, davor Passanten

Kriegsgerät auf der Altstadtinsel: eine Patriot-Startrampe, aufgebaut zwischen Café und Wohnhäusern. Foto: DKP Lübeck - Ostholstein

Super: Endlich wieder Kriegswaffen im Wohngebiet!

An den guten Erfahrungen, welche die Stadt Lübeck mit der Platzierung von Kriegsgerät auf der
Altstadtinsel gemacht hat, will nun die Bundeswehr anknüpfen. Getreu dem Motto „Vorher – Nachher“
sollen Jugendliche für Todestechnik begeistert werden. Die Situation dafür scheint günstig, denn
viele Jugendliche suchen einen Job, und eine gut bezahlte Schleife von wenigen Jahren bei der
Bundeswehr kommt da manchen anscheinend gelegen.

Vorher: Mangels Masse im Kontakt mit der falschen Zielgruppe

Doch viele Jugendliche haben einfach keinen Bock aufs „Russentöten“, wie die Schulstreiks von
Schülerinnen und Schülern beweisen. Denn sie kennen und schätzen ein friedliches Nebeneinander mit
anderen Völkern, haben dies zum Beispiel über den Schüleraustausch kennengelernt und verspüren
deshalb keine Lust, der NATO zu helfen, mögliche Erstschlagswaffen in der Ukraine direkt an der
russischen Grenze zu stationieren.

Denn das erhöht die Kriegsgefahr enorm: Ein Frühwarnsystem muss den Start zunächst erkennen,
klassifizieren und die Flugbahn berechnen. Bei einer ballistischen Rakete mit beispielsweise fünf
Minuten Flugzeit blieben der russischen Führung daher nicht fünf volle Minuten für eine
Entscheidung, sondern möglicherweise deutlich weniger.

Genau darin liegt auch die strategische Bedeutung einer Stationierung sehr schneller
Mittelstreckenraketen nahe der Grenze: Moskau könnte in einen Bereich von nur wenigen Minuten
Entscheidungszeit geraten.

Nachher: Lübeck am 29. März 1942

320 Tote, 783 Verletzte, mehr als 15.000 Obdachlose. So sah es aus, als zuletzt Krieg in diese
Stadt kam. Wer Kriegsgerät zwischen Cafés und Wohnhäuser stellt, sollte dieses Datum mitdenken.

Schriftzug „Heraus zum Schulstreik" auf einem Baucontainer in Lübeck
Protest, der sich nicht wegwischen lässt: Aufruf zum Schulstreik auf einem Baucontainer.

Protest, der sich nicht wegwischen lässt

Nun reicht es Olivgrün nicht mehr, Jugendliche im Jobcenter mit Karrieregequassel zu belästigen,
man muss sie jetzt auch noch vor der Musikhochschule nerven. Immer dabei: junge Frauen im Tarnzug,
denn eine Armee, die von ehemaligen Hitleroffizieren gegründet wurde, muss sich ja hipp geben.

Wikipedia schreibt:

In den Gründungsjahren stammte praktisch das gesamte Führungskorps aus den alten
Streitkräften. (…) Im Jahr 1956 waren 31 der insgesamt 38 aktiven Generale der neuen Bundeswehr
ehemalige Wehrmachtsoffiziere. (…) Bis zum Jahr 1964 wurden 13.438 Offiziere aller Dienstgrade aus
der Wehrmacht eingestellt.

Wikipedia, Artikel Bundeswehr

Mit dem Marschgetrommel vor der Musikhochschule suchte man nun neues Kanonenfutter. Allerdings
mit schlechter Dramaturgie: Aus der Musikhochschule kam gar keine Musik, dabei hätte „Spiel mir das
Lied vom Tod“ doch so gut gepasst.

Carl von Clausewitz
1780 bis 1831 · Heeresreformer, Militärwissenschaftler und -ethiker

Selbst wenn die Absicht des Krieges bloße Erhaltung des status quo ist, so ist doch eine bloße Zurückweisung des Stoßes etwas dem Begriff des Krieges Widersprechendes, weil Kriegführung unstreitig kein Leiden ist. Hat der Verteidiger einen bedeutenden Vorteil errungen, so hat die Verteidigung das Ihre getan, und er muß unter dem Schutz dieses Vorteiles den Stoß zurückgeben, wenn er sich nicht einem gewissen Untergang aussetzen will.

Vom Kriege, Sechstes Buch, Fünftes Kapitel: Charakter der strategischen Verteidigung

Regional

Weitere Beiträge
Friedensfrage

Die AfD ist keine Friedenspartei

Die AfD tritt richtigerweise für gute Beziehungen Deutschlands mit Russland ein. Sie steht mit dieser Forderung in der Tradition einer deutschen Außenpolitik, die mit den Namen Bismarck, Rathenau und Brandt verbunden ist. Doch ein Blick hinter die Fassade zeigt, die AfD befürwortet Aufrüstung, Krieg und NATO-Erweiterung.

Von Oskar Lafontaine1 Min. Lesezeit